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Fragen zum Anzugsmoment von Schrauben


Autor: "C.Schulz" (2004-04-08 12:33:44)

Hi!

Ich muß evt. (schaue heute mal nach) eine Gelenkmanschette der Antriebswelle
und evt. sogar ein Radlager (ich habe ein gleichmäßig an- und abschwellendes
geschwindigkeitsabhängiges Quietschen, welches aber nur bei niedrigen
Geschwindigkeiten zu hören ist und IMHO wegen der Charakteristik nur von
einem Teil des "Fahrwerks" und wohl eher nicht vom Motor stammen kann - etwa
so: wihIi...wihIi...wihIi...- andere Ideen als Radlager?) tauschen.
Da lese ich im Schrauberbuch das Anzugsmoment für die Radnabenschraube ist
265 Nm. Fragen:
1. Gehört ein Schlüssel mit solch hohen Momenten eurer Meinung nach zur
"Standard" Ausrüstung, wenn eine Mietwerkstatt die Frage (hatte ich damals
noch nicht konkret deswegen, sondern nur allgemein gestellt) nach einem
Drehmomentschlüssel bejaht?
2. Wie legen Hersteller eigentlich solche Kräfte fest? Trail and Error?
Warum nicht 250, 260 oder 300 Nm? Gibt es für jede Schraubengröße die
"ideale" Kraft, die man evt. nach Formeln berechnen kann?

Danke und schon mal ein frohes Oster-Wochenende
Chris


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Autor: Ralf Pfeifer (2004-04-08 22:25:58)

C.Schulz wrote:

> Da lese ich im Schrauberbuch das Anzugsmoment für die Radnabenschraube ist
> 265 Nm. Fragen:
> 1. Gehört ein Schlüssel mit solch hohen Momenten eurer Meinung nach zur
> "Standard" Ausrüstung, wenn eine Mietwerkstatt die Frage (hatte ich damals
> noch nicht konkret deswegen, sondern nur allgemein gestellt) nach einem
> Drehmomentschlüssel bejaht?


> 2. Wie legen Hersteller eigentlich solche Kräfte fest? Trail and Error?
> Warum nicht 250, 260 oder 300 Nm? Gibt es für jede Schraubengröße die
> "ideale" Kraft, die man evt. nach Formeln berechnen kann?

Am ehesten durch Berechnung, die Auslegungen von Schraubenanzugsmomenten
werden im Studium des Ingenieurs noch händisch geübt.

Die Kräfte hängen von vielen Punkten ab. Wenn Du z.B. davon ausgehen musst,
dass in Deinem Anwendungsfall das Gewinde und die Kopfauflage gefettet sind,
darf die Anzugskraft nicht so hoch sein, wie bei trockener Oberfläche.

Kopfauflage, Werkstoffestigkeiten von Schraube und geschraubten Teilen,
Belastungsart (schwellend, schwingend oder statisch) und erwartete
Vorspannverluste (Setzen der Schraubenverbindung) kommen dazu.

Manchmal sind es einfach nur Einheitenumrechnungen. Ich habe mal einen Wert
von 49 Nm gesehen - die Ingenieure hatten einfach 5 mkp umgerechnet ...

Gruß, Ralf.


--
www.ArsTechnica.de --- www.ArsMartialis.com

Autor: Ralf Pfeifer (2004-04-08 22:25:58)


Autor: Ralf Pfeifer (2004-04-08 22:25:58)

C.Schulz wrote:

> Da lese ich im Schrauberbuch das Anzugsmoment für die Radnabenschraube ist
> 265 Nm. Fragen:
> 1. Gehört ein Schlüssel mit solch hohen Momenten eurer Meinung nach zur
> "Standard" Ausrüstung, wenn eine Mietwerkstatt die Frage (hatte ich damals
> noch nicht konkret deswegen, sondern nur allgemein gestellt) nach einem
> Drehmomentschlüssel bejaht?


> 2. Wie legen Hersteller eigentlich solche Kräfte fest? Trail and Error?
> Warum nicht 250, 260 oder 300 Nm? Gibt es für jede Schraubengröße die
> "ideale" Kraft, die man evt. nach Formeln berechnen kann?

Am ehesten durch Berechnung, die Auslegungen von Schraubenanzugsmomenten
werden im Studium des Ingenieurs noch händisch geübt.

Die Kräfte hängen von vielen Punkten ab. Wenn Du z.B. davon ausgehen musst,
dass in Deinem Anwendungsfall das Gewinde und die Kopfauflage gefettet sind,
darf die Anzugskraft nicht so hoch sein, wie bei trockener Oberfläche.

Kopfauflage, Werkstoffestigkeiten von Schraube und geschraubten Teilen,
Belastungsart (schwellend, schwingend oder statisch) und erwartete
Vorspannverluste (Setzen der Schraubenverbindung) kommen dazu.

Manchmal sind es einfach nur Einheitenumrechnungen. Ich habe mal einen Wert
von 49 Nm gesehen - die Ingenieure hatten einfach 5 mkp umgerechnet ...

Gruß, Ralf.


--
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Autor: Ingo Braune (2004-04-09 18:18:10)

C.Schulz wrote:
> Hi!
>
> Ich muß evt. (schaue heute mal nach) eine Gelenkmanschette der Antriebswelle
> und evt. sogar ein Radlager (ich habe ein gleichmäßig an- und abschwellendes
> geschwindigkeitsabhängiges Quietschen, welches aber nur bei niedrigen
> Geschwindigkeiten zu hören ist und IMHO wegen der Charakteristik nur von
> einem Teil des "Fahrwerks" und wohl eher nicht vom Motor stammen kann - etwa
> so: wihIi...wihIi...wihIi...- andere Ideen als Radlager?)

Klemmender Schwimmsattel der Scheibenbremse?

> tauschen.
> Da lese ich im Schrauberbuch das Anzugsmoment für die Radnabenschraube ist
> 265 Nm. Fragen:
> 1. Gehört ein Schlüssel mit solch hohen Momenten eurer Meinung nach zur
> "Standard" Ausrüstung, wenn eine Mietwerkstatt die Frage (hatte ich damals
> noch nicht konkret deswegen, sondern nur allgemein gestellt) nach einem
> Drehmomentschlüssel bejaht?

Spannende Frage, aber so unmöglich zu beantworten. Übliche
Drehmomentschlüssel wie man sie z.B. zum festzeihen von Radmuttern
verwendet hören meist bei knapp über 200Nm auf. Wenn die Werkstatt nicht
wenigstens einen größeren hat...
Allerdings sind Werte von 200-300Nm bei Radlagern/Naben nicht so
ungewöhnlich, es gibt aber auch welche mit wesentlich niedrigerem
Anzugsmoment, hängt von der Konstruktion ab.

> 2. Wie legen Hersteller eigentlich solche Kräfte fest?

Rechnen.

> Trail and Error?

Trial and erro wohl weniger, praktische Versuche aber schon.

> Warum nicht 250, 260 oder 300 Nm? Gibt es für jede Schraubengröße die
> "ideale" Kraft, die man evt. nach Formeln berechnen kann?

Nein. Es gibt aber ein Drehmoment, ab dem man damit rechnen kann, daß
die Schraube abreißt. Da sollte man beim Auslegen drunterbleiben. Es
gibt eine Zugkraft ab der eine bleibende Längung der Schraube auftritt,
ob man da drunter oder drüber leigen muß hängt davon ab, was man gerade
konstruiert. Und schließlich gibt es noch die Kraft mit der man die
Teile die die Schraube verbindet zusammenpressen möchte.


Gruß, Ingo